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Genitalverstümmelung soll verschwinden

Genitalverstümmelung soll verschwinden

In mehreren unserer Projektländer ist die weibliche Genitalverstümmelung, obwohl gesetzlich verboten, auch heute noch weit verbreitet. In Oberägypten und in der Walga-Region in Äthiopien setzen sich unsere Mitarbeiter aktiv dafür ein, diese brutale und gefährliche Praxis auszurotten. 

Mathias Rellstab | Lesezeit: 5 Minuten
 

Die Mädchenbeschneidung, wie die Genitalverstümmelung auch genannt wird, hat in Ägypten wie auch in Äthiopien eine lange Tradition. Dabei werden die äusseren weiblichen Geschlechtsorgane ganz oder teilweise entfernt. Der schmerzhafte Eingriff wird in der Regel von traditionellen Beschneiderinnen durchgeführt. Neben der Gefahr von Blutverlust oder Infektionen, die im schlimmsten Fall zum Tod führen können, leiden Betroffene ihr Leben lang unter den Folgen. 


Nicht beschnitten = unehrenhaft!

Warum tun Eltern ihren Töchtern das an, mag man sich fragen? Als Hauptgrund gilt die Tradition: Was für die Grossmutter und Urgrossmutter selbstverständlich war, wird für das eigene Kind übernommen. Oft ist die Beschneidung fester Bestandteil des Übergangsrituals, wenn ein Mädchen zur Frau wird. Familien, die sich widersetzen, riskieren ausgegrenzt zu werden. Nicht beschnittene Frauen gelten als unehrenhaft und werden von heiratswilligen Männern kaum akzeptiert. In Ägypten ist zudem die (falsche) Annahme verbreitet, der Islam schreibe die Beschneidung vor.

Um daran etwas zu ändern, sind tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen nötig. Deshalb gehen unsere Teams in Ägypten und Äthiopien in Schulen, Kirchen, Moscheen und besuchen Familien zuhause, um mit ihnen über die schlimmen Folgen dieser Praxis ins Gespräch zu kommen. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr rund 15’000 Menschen mit Sensibilisierungsanlässen erreicht. In 43 nachgewiesenen Fällen konnten Mädchen, bei denen die Beschneidung unmittelbar bevorstand, davor bewahrt werden.

 

Mariam: „Ich dachte, es sei mein Schicksal zu leiden“

Das Engagement hat zu einer Offenheit geführt, über das vermeintliche Tabuthema zu sprechen und jahrhundertealte Traditionen in Frage zu stellen. Dies zeigt das Beispiel von Mariam aus Ägypten: Die Mutter von drei Töchtern wuchs in einem Umfeld auf, das die Beschneidung als notwendig für den Schutz und die Reinheit von Frauen ansah. Sie selber wurde durch den Eingriff im Kindesalter traumatisiert. Als ihre älteste Tochter Salma zehn Jahre alt wurde, verstärkte sich der Druck seitens der Familie, das Kind beschneiden zu lassen. Doch nachdem Mariam an einem Seminar in ihrem Dorf teilnahm, das von Mitarbeiterinnen unseres Spitals durchgeführt wurde, fasste sie einen Beschluss: Sie würde ihre Töchter vor dem Eingriff bewahren.

Mariam sagt: „Früher glaubte ich, dass es mein Schicksal als Frau sei, Schmerzen zu leiden. Heute weiss ich, dass es Ungerechtigkeit war, und ich werde diese Ungerechtigkeit meinen Töchtern nicht antun. Der wahre Schutz besteht darin, dass sie mit einem gesunden Körper und einem starken Geist aufwachsen.“ Mariam wurde zu einer einflussreichen Stimme innerhalb ihrer Familie und konnte auch ihre Schwester überzeugen, ihre Töchter nicht beschneiden zu lassen.


Ambitioniertes Ziel

Beispiele wie diese – und es gibt viele davon – motivieren unsere Teams zum Weitermachen. Das Ziel ist ebenso klar wie ambitioniert: keine Genitalverstümmelung mehr im Einzugsgebiet unseres Spitals in Oberägypten und des Walga-Gesundheitszentrums in Äthiopien!

 

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