Fantanesch: Unternehmerin trotz Beeinträchtigung
Die gehbehinderte Fantanesch trägt mit kleinen ihrem Team dazu bei, dass Mädchen und junge Frauen in Äthiopien auch während ihrer Monatsblutung die Schule besuchen können.
Aufgezeichnet von Annarös Schafroth, ehemalige Langzeiteinsatzleistende der Mission am Nil, während eines Besuchs in Äthiopien | Lesezeit: 3 Minuten
Tabuthema Monatsblutung
Die Monatshygiene ist für viele Frauen in Äthiopien eine Herausforderung. Nur wenige können sich Tampons oder Binden leisten – davon abgesehen, dass Einwegprodukte in einem Land ohne funktionierende Abfallentsorgung auch aus Umweltschutzgründen wenig sinnvoll sind.
Viele behelfen sich eher schlecht als recht mit Stoffresten. Das ist wenig hygienisch und hat dazu einen negativen Nebeneffekt: Aus Angst und Scham bleiben Mädchen im Teenageralter oft jeden Monat tagelang dem Schulunterricht fern. Doch es gibt Abhilfe: Waschbare Stoffbinden, die aus gutem Material gefertigt werden, funktionieren zuverlässig und können über längere Zeit verwendet werden.
Eine Chance für Fantanesch
Die gehbehinderte Fantanesch, die einst im Misrach Center der Mission am Nil in Addis Abeba die Nähausbildung absolvierte, betreibt heute ein kleines Unternehmen, das solche Damenbinden herstellt. Das Atelier befindet sich auf dem Gelände von Addis Guzo, eines Hilfswerks, das Hilfsmittel für Menschen mit körperlichen Einschränkungen anbietet. Für Fantanesch ist das eine sehr gute Lösung, da es für sie schwierig wäre, ein passendes Atelier zu finden. Sie arbeitet als selbstständige Unternehmerin auf eigene Rechnung.
Bestellt werden die Binden von Organisationen, die Aufklärungsschulungen für Mädchen durchführen. Auf anschauliche, spielerische und wertschätzende Art werden dort Tabuthemen angesprochen. Viele Teilnehmerinnen erfahren zu ersten Mal, wie der weibliche Zyklus funktioniert. Auch im Umfeld des Walga-Gesundheitszentrums, eines weiteren Projekts der Mission am Nil, finden übrigens solche Kurse statt.
Grosse Nachfrage
Zum Kursabschluss erhalten die Teilnehmerinnen jeweils ein Set waschbarer Binden geschenkt. Diese stellt Fantanesch mit ihrem kleinen Team her. Ja, sie arbeitet nicht mehr alleine, denn die Nachfrage ist derart gross, dass die Unternehmerin inzwischen zwei Mitarbeiterinnen und einen Mitarbeiter eingestellt hat. Dennoch kommen sie kaum nach vor lauter Arbeit. Fantaneschs Angestellte sind wie sie ehemalige Absolventen des Misrach Centers. Alle sind entweder gehbehindert oder gehörlos.
MIt vollem Engagement dabei
Für mich war es eine Freude zu sehen, wie sie ihr Leben selbstständig meistern und teils lange, mühsame Wege auf sich nehmen, um täglich zur Arbeit zu erscheinen!
Neben Binden stellen die Mitarbeitenden in Fantaneschs Atelier auch Stoffwindeln her.
Projektfilm Misrach Center
Ein 15-minütige Dokumentarfilm stellt die Arbeit des Misrach Centers anhand konkreter Beispiele und Lebensgeschichten vor. Der Film ist auf YouTube verfügbar.